Usbekistan

Schutzgebiete in Usbekistan - Modellregionen nachhaltiger Entwicklung

 

Usbekistan ist Heimat vieler global bedrohter Tier- und Pflanzenarten. Von den 4.800 Pflanzenarten Usbekistans sind 9% und von den Wirbeltieren über 50 % endemisch, darunter 15,4% Säugetiere. Das Rote Buch Usbekistans (2009) enthält 184 bedrohte Tierarten.

 

Eine Vielzahl von Umweltproblemen stellt eine zunehmende Bedrohung für die Biodiversität Usbekistans dar. Dazu gehören insbesondere Überweidung, Bodendegradation, Übernutzung und Verschmutzung von Wasserressourcen, unkontrollierter Forsteinschlag, Wilderei, Ressourcenexploration, hoher Bevölkerungsdruck und der Klimawandel. Desto höher ist das bekundete Interesse der usbekischen Regierung einzuschätzen, das Netzwerk an Schutzgebieten zu entwickeln, zu erweitern und internationalen Standards anzugleichen.

 

Die Arbeit der Michael Succow Stiftung konzentrierte sich während der Laufzeit des Projektes (2010-2012) darauf, bestehende strikte Naturreservate (Zapovedniki) durch die Einrichtung von Pufferzonen und ein die Bevölkerung einbeziehendes Managementkonzept mittelfristig zu partizipativeren Schutzgebietstypen zu erweitern. Solche Konzepte beinhalteten beispielsweise die Entwicklung von Naturtourismus, die Schaffung neuer Einkommensquellen für die lokale Bevölkerung, die Einbindung der Bevölkerung in die Umweltarbeit und die Vernetzung mit politischen und wissenschaftlichen Akteuren. Dabei kooperierte das Projekt eng mit dem UNDP/GEF-Projekt „Verbesserung der Nachhaltigkeit des nationalen Schutzgebietssystems, insbesondere der Zapovedniki“ sowie mit der usbekischen Regierung.

 

Drei Schutzgebiete waren in das Projekt eingebunden:

 

Das Ecocentre Jeyran ist ein Schutzgebiet in der unmittelbaren Nähe von Bukhara an der Seidenstraße. Hier existieren auf einer Größe von insgesamt 200 km2 große Herden der typischen Jeyrangazellen neben den stark dezimierten und wiederausgewilderten Kulanen und den in der Natur ausgestorbenen Przewalskipferden. Neben brütenden Kragentrappen, Moorenten und Marmelenten ist das Gebiet unter anderem ein wichtiger Rastplatz für Zugvögel wie Krauskopfpelikane, Weißkopfruderenten, Mönchsgeier, Kaiseradler, Zwergtrappen, Wachtelkönige und Doppelschnepfen.

 

Der Hissar Zapovednik, mit einer Fläche von etwa 812 km², bietet weite, unberührte Hochgebirgslandschaften für seltene Tierarten wie den Isabellen-Braunbär, den Eurasischen Luchs und den Schneeleopard, der hier mit der größten Population Usbekistans vorkommt. Mönchsgeier und Sakerfalken brüten im Gebiet, Rötelfalken ziehen durch.

 

Der an der Grenze zu Turkmenistan gelegene Surkhan Zapovednik beherbergt auf 250 km² Bestände der Schraubenziege und des Bukharaschafes. Neben nistenden Steinadlern kommen Bartgeier, Mönchsgeier und Gänsegeier sowie eine Vielzahl an Singvögeln vor.

 

weiterlesen

Für das Ecocenter Jeyran wurde eine Studie zum naturtouristischen Potenzial sowie eine Konzeption für eine umfangreiche naturtouristische Entwicklung des Gebietes erstellt. Parallel dazu wurden mit Mitteln der Studiosus Stiftung erste Infrastrukturelemente dafür eingerichtet. Im Laufe des Projektes konnten die Einnahmen aus dem internationalen Besucheraufkommen im Gebiet um das Fünffache gesteigert werden. Damit decken sie die jährlichen Kosten für drei Vollzeitstellen für den naturverträglichen Tourismus. Darüber hinaus wurde das Ecocenter Jeyran fest in das reguläre Programm eines Reiseveranstalters aufgenommen.

 

Zur Erhebung der Möglichkeiten einer Nationalparkentwicklung im Gebiet des Hissar Zapovednik wurde eine Stakeholderanalyse durchgeführt. Diese zeigte: Die Interessenkonstellationen sind komplex und setzen eine sensible und partizipative Vorbereitung und Umsetzung voraus. Bei einigen Förstern der Region hat die Nationalparkidee Zuspruch gefunden. Sie wird auch von politisch höherer Stelle unterstützt.

 

Für das Surkhan Zapovednik wurde zusammen mit den UNDP/GEF-Projekt "Verbesserung der Nachhaltigkeit des nationalen Schutzgebietssystems, insbesondere der Zapovedniki" und "trans Natour" eine Kommunikationsstrategie für die wichtigsten Zielgruppen um das Zapovednik erarbeitet und darauf aufbauend ein Konzept für ein Besucherinformationszentrum erstellt. Dieses wurde im März 2013 eröffnet.

 

Im Oktober 2011 wurde das Projekt um eine weitere Komponente aufgestockt. Hintergrund dafür waren die im Rahmen des ersten Projektjahres gewonnenen Erkenntnisse über mögliche Chancen für die Naturschutzarbeit in Usbekistan. Konkret ging es um die Erfassung der naturräumlichen und politischen Rahmenbedingungen um in den winterkalten Wüsten in der autonomen Provinz Karakalpakstan ein einzigartiges Schutzgebiet zu entwickeln.

 

Während der dafür durchgeführten Feldarbeiten (Biodiversitätserfassung in 2012) konnten mehrere Arten in dem Gebiet erstmals beschrieben und der Wildesel Equus hemionus kulan wiederentdeckt werden. Dieser wird im usbekischen Roten Buch als "ausgestorben in der Wildnis" geführt. Die Expedition wurde co-finanziert durch den DAAD im Rahmen des CABNET-Projekts und durch die Manfred-Hermsen-Stiftung.

 

Die Projektaufstockung beinhaltete mit einer Einschätzung, inwieweit Finanzierungsmechanismen für die Schutzgebietsentwicklung in Karakalpakstan aus den Instrumentarien der weltweiten Bemühungen um den Klimaschutz in Frage kommen, einen weiteren innovativen Aspekt.

 

Die Stiftung konnte, eingebettet in das Projekt, zwei jungen usbekischen Naturwissenschaflern die Teilnahme am zweijährigen Internationalen Masterstudiengang "Landscape Ecology and Nature Conservation" an der Universität Greifswald ermöglichen. Darüber hinaus wurden junge Naturschützer, die sich in einer Art Graswurzelbewegung um Umwelt- und Naturschutzbelange kümmern, durch Vernetzung und Bildungsangebote unterstützt.

 

Neben den konkreten Ergebnissen des Projektes konnte ein stabiles Netzwerk in usbekischen staatlichen Institutionen, Wissenschaftseinrichtungen und NGOs aufgebaut werden die bei der sachgerechten und problemrelevanten Planung weiterer Naturschutzprojekte in Usbekistan tragende Säulen sind.

Dieses Projekt wurde gefördert durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit.

 

BMU

Weitere Informationen zum Projekt

Ein Projektinformationsblatt finden Sie hier zum Download.