Aserbaidschan

Biodiversität und Schutzwerte der Küstenökosysteme Aserbaidschans

 

Ziel des Projektes war es, eine Bewertung des Naturschutzpotentials der Inseln im aserbaidschanischen Teil des Kaspischen Meeres als auch im Kuradelta zu erstellen. Das Projektziel wurde auf Initiative und in Kooperation mit dem Ministerium für Ökologie und natürliche Ressourcen, Aserbaidschan durchgeführt.
Da grundlegende systematische Bestandsaufnahmen dieser Gebiete bisher nicht durchgeführt wurden, waren Status, biologische und geographische Diversität und anthropogene Abwandlung weitestgehend unbekannt. Obwohl die Bedeutung des weltgrößten Sees mit seiner riesigen Diversität, mannigfaltigen endemischen Arten und gefährdeten Habitaten weitgehend akzeptiert ist, fehlt bisher ein realisiertes grenzübergreifendes Management dieser vielfältigen Landschaften.
Im Rahmen der Studie sollte somit eine Beurteilung des biologischen Wertes aller zugänglichen Inseln Aserbaidschans erstellt werden. Weiterhin wurde versucht, eine Priorisierung zum verbesserten Schutz dieses Küstenökosystems zu liefern.


Die Studie offenbarte den dramatischen Zustand sowohl der aserbaidschanischen Inseln im Kaspischen Meer als auch des Kuradeltas. Mehr als eine Dekade freier Zugänglichkeit hat zu permanenten Störungen, intensivierter Nutzung und einem Rückgang der Artenzahlen geführt. Die Küstenregion ist außerdem vom steigenden Wasserspiegel des Kaspischen Meeres betroffen. Ölteppiche, intensive Fischerei und Müll (auf nicht zugänglichen Inseln der Baku-Bucht Militär- und Industrieschrott) sind ein häufiges Bild um und auf vielen Inseln. Das Kuradelta und die es umgebenden Gewässer sind voll von Fischernetzen, die es nahezu jedem Stör unmöglich machen, seine Laichgewässer weiter flussaufwärts der Kura zu erreichen. Die natürliche dynamische Entwicklung des Deltas ist ebenfalls bedroht. Derzeit wird ein neuer Ausflusskanal gebaut, um die zerfallende Tiefseeflotte zu reaktivieren. Die Erhöhung der gegenwärtigen und die verstärkte Wartung während des Kanalbaus werden den Sedimentationsprozess reduzieren, der zurzeit noch unkontrolliert abläuft.
Während zu Sowjetzeiten einige Inseln als Staatsschutzgebiet geschützt waren, sind es heute nicht mehr als 2 Inseln die einen Schutzstatus aufweisen.

 

 

Die Diversität der Flora war auf allen untersuchten Inseln meist gering. Übliche Arten der Halbwüsten und Ruderalarten wurden am häufigsten gefunden. Die faunistische Diversität ging innerhalb der letzten 10 Jahre stark zurück. Früher brütende Kolonien von Seeschwalben, Watvögeln und Möwen konnten nicht bestätigt werden. Die Zahl der Brutvögel sank zum Teil um 50-60 %.
Die Bedeutung der west-kaspischen Vogelzugroute - eine viel genutzte Zugroute zwischen den eurasischen Sommerhabitaten und den afrikanischen und indischen Überwinterungsgebieten - konnte zum ersten Mal nachgewiesen werden. 310.000 Individuen von 173 Arten können als erste Zahl genannt werden.


Abschließende Empfehlungen umfassten unter anderem:

  • die Unterschutzstellung ausgewählter Teile der Küstengewässer
  • den Schutz konkreter Inseln
  • regelmäßige Kontrollen und Vermeidung von Verschmutzung
  • die strikte Einhaltung der Fischfangquoten und
  • Zugangsverweigerung während der Brutsaison.


Außerdem sollten die Inseln, welche die Diversität der Küstenhabitate herausragend repräsentieren, dem nationalen Netzwerk der Schutzgebiete Aserbaidschans zugeordnet werden.

 

Die Michael Otto Stiftung, seit langem Partner der Michael Succow Stiftung in Aserbaidschan, unterstützte diese Studie dankenswerterweise.

 

                                                           Michael Otto Stiftung