Revitalisierung des NSG "Hangquellmoor Binsenberg"

Das NSG "Hangquellmoor Binsenberg" repräsentiert eines der größten und mächtigsten Kalk-Quellmoore von Mecklenburg-Vorpommern (ca. 30 ha Moorfläche, bis 8 m Moormächtigkeit). Es liegt nahe der ursprünglichen Tal-Wasserscheide im Kleinen Landgrabental. Das hier ausströmende Quellwasser speiste zu großen Teilen und in beide Talrichtungen das Durchströmungsmoor, welches in dieser eiszeitlichen Abflussrinne entstanden ist.

Es wurde bis zur Mitte des 20. Jh. nur extensiv genutzt, in den 1970er Jahren aber versuchsweise stärker entwässert.

Die starke artesische Grundwasserspeisung hat dennoch eine Intensivnutzung verhindert und den Erhalt einiger typischer und bedrohter Pflanzen- und Tierarten nährstoffarmer, kalkreicher Moore begünstigt. Darunter sind vor allem einige Pflanzenarten wie der Blaue Tarant (Swertia perennis), die Mehlprimel (Primula farinosa) sowie das Schwarze und das Rostrote Kopfried (Schoenus nigricans, S. ferrugineus) hervorzuheben, die in Nordostdeutschland extrem selten geworden sind. Sie haben auf einer sehr kleinen Fläche (ca. 0,1 ha) überdauert, die dem FFH-Lebensraumtyp "Kalkreiche Niedermoore" zugeordnet werden kann und inmitten einer Pfeifengraswiese (ebenfalls ein FFH-Lebenraumtyp, ca. 2 ha) mit hohen Anteilen der Kalkbinse (Juncus subnodulosus) liegt. Die nach Unterschutzstellung 1998 vorgenommenen Staumaßnahmen konnten den Gebietszustand nicht zufriedenstellend verbessern. Die Wasserstände sind weiterhin in vielen Teilen nicht hoch genug, um Torfzehrung und Nährstofffreisetzung zu verhindern.

 

Die Ziele

Im Rahmen der Übergabe von Flächen des Nationalen Naturerbes an Länder, Stiftungen und Verbände übernahm die Michael Succow Stiftung die oben genannten Flächen. Der Quellmoorkomplex wurde im Rahmen der FöRiGeF (Förder-Richtlinie für Gewässer und Feuchtgebiete) nun wieder revitalisiert.

Ziel war dabei die Wiederherstellung eines möglichst naturnahen Wasserhaushalts, der Erhalt der vorhandenen Schutzgüter sowie eine Vermehrung der schutzwürdigen Lebensraumtypen. Das schließt eine Fortentwicklung der gegenwärtigen Lebensgemeinschaften zu naturnäheren Ausprägungen (z.B. Pfeifengraswiesen zu Kleinseggenriedern) ein. Eine besonders aussichtsreiche Möglichkeit neuen Lebensraum für kalkreich-nährstoffarme Lebensräume wiederherzustellen bietet die Flachabtorfung nährstoffbelasteter, schwer vernässbarer Oberflächen über nährstoffarmem Moor. Durch die Entnahme von 20 - 40 cm Oberboden wurde einerseits das Material für die Verfüllung von Entwässerungsgräben entnommen und andererseits wurden dabei nährstoffärmere Substrate freigelegt, auf denen sich Zielvegetation wieder ansiedeln kann. Die Ansiedlung der entsprechenden Arten wird über eine Vielzahl von Maßnahmen gefördert. Ob sie langfristig gelingt, ist angesichts der veränderten Umweltbedingungen schwer zu prognostizieren. Zumindest wird sich eine naturnähere Vegetation als bisher vorhanden einstellen. Viele Beispiele erhaltener Schutzgüter in älteren Torfstichen geben jedenfalls Anlass, diese vielleicht aussichtsreichste Methode zur Vermehrung nährstoffarmer Moorlebensräume in der Praxis voranzutreiben.

Parallel zu diesen Maßnahmen wurden wissenschaftliche Begleituntersuchungen durchgeführt und für den umgebenden Raum ein hydrologisches und naturschutzfachliches Entwicklungskonzept erarbeitet. Ungünstige hydrologische Wirkungen der Flachabtorfung sollten durch besondere Gestaltungsmaßnahmen weitgehend vermieden werden. Eine Hydromodellierung lieferte dazu Grundlagen.

 

Kooperationspartner des Projektes waren der Wasser- und Bodenverband “Untere Tollense - Mittlere Peene” (Jarmen), die Landgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern mbH (Leetzen), die AG der Ingenieurbüros Seidlein und Schmidt (Stralsund und Demmin), das Planungsbüro ILN plus (Greifswald) sowie die Professur für Hydrologie der Universität Rostock.

 

Das Projekt finanzierte sich durch FöRiGeF aus Mitteln des ELER-Programmes der EU. Dies geschah im Rahmen der Richtlinie über das LUNG Mecklenburg Vorpommern.

 

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Projektkoordination:

Ingo Koska

 

Ausführlichere Informationen zum Projekt stehen Ihnen hier zum download bereit.