Hangquellmoor Binsenberg

Das Hangquellmoor Binsenberg ist ein landesweit bedeutender Lebensraum für gefährdete Pflanzen- und Tierarten. Zugleich ist der Binsenberg ein eindrucksvolles Beispiel eines kalkreichen Quellmoores mit einem bis zu 8 m mächtigen und aufgewölbten Torfkörper. Seit 2009 engagiert sich die Michael Succow Stiftung für die Revitalisierung der wertvollen Moor-Lebensräume, die durch Entwässerungsmaßnahmen in den 1980ern stark reduziert wurden.

 

 

Aufsicht auf das Hangquellmoor Binsenberg - Luftbild und Oberflächenmodell (beides: aesa-aerial.com)

 

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In einem umfänglichen Wiedervernässungsvorhaben wird der Grundwasserstand großflächig angehoben. Weiterer Torfmineralisierung und Eutrophierung soll so entgegengewirkt werden, Bedingungen für seltene Pflanzenarten wie Blauer Tarant und Sumpf-Stendelwurz werden verbessert. Gleichzeitig führt die Wiedervernässung auch zu einer messbaren Reduzierung klimawirksamer Gase: Rund 165 t CO2-Äquivalente werden jedes Jahr eingespart. Das Projekt finanziert sich über die Förderrichtlinie Naturschutz in M-V aus Mitteln des ELER-Programmes der EU.

Tagebuch: Bau am Binsenberg - mit jedem Schritt ein Stückchen nasser

19.12.2018 - Still ruht das Moor

 

Nach 32 bewegten Tagen Bauzeit gehen die Bagger heute in die Weihnachtspause. Zwei Ackerdraine sind funktionsfähig, der dritte wird im Neuen Jahr fertiggestellt.

Bis Februar wird nun randlich am Moor gearbeitet: Einige Rohrleitungen werden erneuert und im Ringgraben sollen Staustufen eingebaut werden, die eine leichte Wasserstandsanhebung innerhalb der Gräben hervorrufen soll. Auch dies dient dem Wasserrückhalt im Moor, wird aber keine Auswirkungen auf die angrenzenden Flächen haben.

Bis zum nächsten Herbst wollen wir die Wasserstandsveränderungen im Gebiet sowie die Funktionsfähigkeit der Grabenverschlüsse beobachten. Während der Herbst- und Wintermonate 2019/20 wird dann der Rest des Entwässerungssystems des Binsenbergs verschlossen.

 

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13.12.2018 - Moor wird nass!

 

Das Soll für diese Saison ist fast geschafft, rund die Hälfte der Gräben sind verfüllt oder mit Plomben teilweise verschlossen. Und der Wasserstand steigt merklich an. Zwar hat es auch geregnet – ein Großteil des Wassers im zentralen Bereich des Moores kommt aber von unten, wie die Eisenausfällungen in den kleinen Bodenentnahmestellen zeigen.

 

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Stellenweise steht das Wasser nach wenigen Wochen schon über Flur, wie im Vergleich vom 22. November und 13.Dezember zu sehen ist.

 

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19.11. 2018 - Moor muss nass… aber nicht der Acker…

 

Parallel zur Wiedervernässung wird seit Mitte November in dem nördlich an das Moor angrenzenden Acker ein Drain eingebaut. An drei Stellen wird das Wasser in die Fläche eingeleitet. Um die nährstoffärmeren zentralen Bereiche des Kalkreichen Niedermoors, bzw. der Pfeifengraswiesen zu schonen, wird das nährstoffreiche Wasser einerseits in den Ostteil, bzw. den Westteil des Binsenbergs abgeleitet. So steht das Wasser weiterhin dem Moor zur Verfügung, die floristischen Schutzgüter werden aber nicht durch eine zu hohe Nährstofflast und weitere Rückstände aus dem Acker gefährdet.

 

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13.11.2018

 

Der zentrale Bereich des Binsenbergs, Standort für Mehlprimel, Blauen Tarant und Sumpf-Stendelwurz, war bislang durchzogen von drei Gräben. Zwar war deren Entwässerungswirkung vor einigen Jahren schon abgeschwächt worden, stellenweise war jedoch noch ein starkes Grabenprofil vorhanden. Während der letzten Woche konnten diese Gräben endgültig verfüllt werden. Wir erwarten dadurch eine Anhebung des Grundwasserstandes auf wenige cm unter Flur. Dadurch verbessern wir die Bedingungen für die seltenen Pflanzengemeinschaften des Kalkreichen Niedermoores. Um die wertvollen Lebensräume im zentralen Bereich zu schützen, erfolgte hier keine Bodenentnahme für die Grabenverfüllung. Der dafür eingesetzte Torf wurde etwas weiter nördlich in Form von kleinen Flachabtorfungen gewonnen. Diese Abtorfungsbecken sind nicht tiefer als 35 cm und werden in den kommenden Jahren nach und nach durch Moor-Vegetation (wieder)besiedelt werden. Den Zwergschnepfen scheint es jetzt schon zu gefallen. Ganz ungeachtet des Baggertrubels nutzen zwei Tiere die neu entstandenen vegetationsfreien Flächen zur Nahrungssuche.

 

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08.11.2018

 

Rund 1500 m3 Biomasse wurden im Rahmen der Ersteinrichtung von 8 ha Mahdfläche geerntet und beräumt. Das Mahdgut aus Schilf und Seggen lagert nun in beeindruckenden Haufen am Rand des Moores. Die Biomasse soll zerkleinert und im nächsten Jahr zur Humus-Anreicherung in den Acker eines naheliegenden Landwirtschaftsbetriebs eingearbeitet werden. Seit wenigen Tagen steht schwere und nicht ganz so schwere Technik am Hangquellmoor. Auf den wenig tragfähigen Moorböden werden nur Kleinbagger mit geringem Bodendruck eingesetzt, um die Gräben zu verfüllen. So vermeiden wir eine unnötige Verdichtung der Torfe und reduzieren die Bodenverletzung durch Fahrspuren.

 

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26.10.2018 - Bauanlaufberatung am Binsenberg

 

Zusammen mit Vertretern der unteren Wasserbehörde, der unteren Naturschutzbehörde, des Staatlichen Amts für Landwirtschaft und Umwelt, den Naturfreunden Siedenbollentin, der stellvertretenden Bürgermeisterin, sowie den beauftragten Firmen, dem Planer und der ökologischen Baubegleitung wandern wir im Rahmen unserer Bauanlaufberatung gemeinsam über den Binsenberg. Ein sehr konstruktives Treffen – wir erhalten wertvolle Hinweise von den langjährigen Gebietskennern und bekommen große Unterstützung durch die Untere Wasserbehörde: Der im Planfeststellungsbeschluss sehr stark eingeschränkte Bauzeitraum wird ausgeweitet, so dass wir trotz verspätetem Maßnahmenbeginn in dieser ersten Bauphase viel schaffen werden.

 

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19.10.2018 - Es geht los: Moor muss nass! Aber vorher müssen die Gräben gefunden werden….

 

Die Ersteinrichtung des östlichen Binsenbergs startet. Rund 8 ha Schilfröhricht und Hochstaundenfluren werden gemäht und beräumt. Die Mahd ist notwendig, um für die Grabenverfüllung ausreichend Baufreiheit zu schaffen. Außerdem wollen wir die Fläche in den folgenden Jahren durch eine zweischürige Mahd aushagern, damit sich nach und nach die typischen Pflanzenarten des kalkreichen Niedermoores wieder ausbreiten können.

 

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02.Oktober 2018 - Noch mehr Schutzgüter!

 

Im Rahmen des Maßnahmen-begleitenden Monitorings erstmals am Binsenberg nachgewiesen: die Feuchtwiesen-Puppenschnecke Pupilla pratensis. Die Art lebt in offenen und nassen, kalkreichen Niedermoorstandorten auf Feuchtwiesen oder in Röhrichtflächen. In der Roten Liste der gefährdeten Arten in Deutschland wird die Art in der Kategorie „R“ – Extrem selten- eingestuft. Auch in Mecklenburg-Vorpommern gibt es für P. pratensis nur ganz vereinzelt Nachweise. Die feuchtigkeitsliebende Art profitiert von den Revitalisierungsmaßnahmen im Hangquellmoor, die bis 2020 durchgeführt werden.

 

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Mehr zum Moor

Das Hangquellmoor „Binsenberg" repräsentiert eines der größten und mächtigsten Kalk-Quellmoore von Mecklenburg-Vorpommern (ca. 30 ha Moorfläche, bis 8 m Moormächtigkeit). Es liegt nahe der ursprünglichen Tal-Wasserscheide im Kleinen Landgrabental. Das hier ausströmende Quellwasser speiste zu großen Teilen und in beide Talrichtungen ein Durchströmungsmoor, welches in dieser eiszeitlichen Abflussrinne entstanden ist.

Der Binsenberg ist Teil des GGB „Talmoorkomplex des Kleinen Landgrabens bei Werder“ und des EU-Vogelschutzgebietes „Großes Landgrabental, Galenbecker und Putzarer See“ und weist geschützte Lebensräume und Arten der EU NATURA 2000 Richtlinie und viele weitere geschützte und hoch gefährdete Arten auf.

 

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Der Binsenberg wurde bis zur Mitte des 20. Jahrhundert zur extensiven Wiesennutzung nur schwach entwässert, so dass auf großen Flächenanteilen eine weitgehend naturnahe Moor- und Feuchtwiesenvegetation existierte. Mitte der 1980er Jahre erfolgte ein starker Ausbau des Entwässerungssystems. Ein enges Grabennetz durchzieht seither das Gebiet. Der Binsenberg wurde großflächig umgebrochen zur Neuansaat von Nutzgräsern. Durch die nach wie vor sehr starke artesische Grundwasserspeisung schloss sich jedoch eine Intensivnutzung bald aus.

Die ursprüngliche Moorvegetation, bestehend aus zahlreichen seltenen Arten wie dem Blauen Tarant (Swertia perennis), Mehlprimel (Primula farinosa) sowie dem Schwarzen und Rostroten Kopfried (Schoenus nigricans, S. ferrugineus), konnte sich nur auf sehr kleinen Flächen halten. Große Teile des Gebiets fielen brach und typische Degradations- und Eutrophierungs-Erscheinungen des Moorkörpers traten auf. Erst durch die Bemühungen des amtlichen Naturschutzes (StAUN Neubrandenburg) wurde ab 1996 in Teilen wieder eine Grünland- sowie eine Naturschutz-Pflegenutzung aufgenommen. In diesem Zuge erfolgten auch erste, punktuelle Maßnahmen zur Wiedervernässung. Diese leichte Wasserstandserhöhung reicht allerdings bei Weitem noch nicht aus. Weiterhin finden großflächig Torfzehrung und Nährstofffreisetzung statt.

 

Moor muss nass! Das Wiedervernässungsprojekt

 

Im Rahmen der Übergabe von Flächen des Nationalen Naturerbes an Länder, Stiftungen und Verbände übernahm die Michael Succow Stiftung große Teile des Hangquellmoores. Zusammen mit der Stiftung Umwelt und Natur M-V und der Loki Schmidt Stiftung als weitere Flächeneigentümer setzt die Stiftung seit 2009 die Revitalisierung des Binsenbergs um. Ziel ist die die Wiederherstellung eines möglichst naturnahen Wasserhaushalts, der Erhalt der vorhandenen Schutzgüter sowie eine Vermehrung der schutzwürdigen Lebensraumtypen. Das schließt eine Fortentwicklung der gegenwärtigen Lebensgemeinschaften zu naturnäheren Ausprägungen (z.B. Pfeifengraswiesen zu Kleinseggenriedern) ein.

Aufbauend auf einem langwierigen Planfeststellungsverfahren wurden bereits 2013 im Rahmen der FÖRiGeF (Förder-Richtlinie für Gewässer und Feuchtgebiete in MV) erste Gräben verschlossen.

Von 2018 bis 2020 sollen im Gebiet die restlichen rund 4000 m Gräben durch Verbaue und Verfüllung verschlossen werden. Aus der hydrologischen Modellierung wird für den größten Teil der Moorfläche eine Wasserstandsanhebung zwischen 10 und 20 cm erwartet. Das hat auf etwa 6 ha eine Ausdehnung moortypischer Wasserstände knapp unter Flur zur Folge. Auf rund 20 ha stellen sich moorschonende Wasserstände 20 cm unter Flur ein.

Durch die Wiederherstellung moortypischer Bedingungen kann auf rund 10 ha wieder Torfbildung einsetzen, wodurch Nährstoffe und Kohlenstoff gebunden werden. Geschätzte 165 t CO2 Äquivalente können durch die Wasserstandsanhebung jedes Jahr eingespart werden.

 

Wird mein Keller nass?

 

Nein. Das Gebiet liegt am abfallenden Rand des Kleinen Landgrabentals oberhalb der eigentlichen Talniederung. Da die Randgräben, die an das Grünland der Talniederung angrenzen, offen bleiben sollen und zu den oberhalb liegenden Ackerflächen ausreichend Gefälle besteht, sind durch die Wiedervernässung keine bedeutenden Auswirkungen auf die umgebenden Nutzflächen zu erwarten.

Um sicher zu stellen, dass Oberflächenwasser vom nördlich angrenzenden Acker schadlos abgeleitet wird, werden frei kleinflächige Ackerdraine angelegt. Zum Schutz des südlich an das Gebiet angrenzenden Weges erfolgt in den Seitengräben nur ein gemäßigter Aufstau auf eine mittlere Wasserstandhöhe auf maximal 40 cm unter Oberkante des Wegs. Dazu werden Ablaufrohre erhöht sowie Staue und Sohlschwellen angelegt. Gegenüber heute wird dadurch eine durchschnittliche Wasserstandserhöhung von 5 – 20 cm in beiden Gräben erwartet.

Zum Ablauf des Wassers in den Hauptvorfluter bleiben die bereits vorhandenen Verbindungen wie bisher voll funktionsfähig.

 

 

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