Palmer Ort

Der „Palmer Ort“ ist die 40 ha große Südspitze der Halbinsel Zudar und damit der südlichste Punkt Rügens. Der Wald am Palmer Ort nimmt davon 35 ha ein und ist eine von nur zwei größeren bewaldeten Flächen der Halbinsel. Er bietet so wertvolle Rückzugsmöglichkeiten für eine Vielzahl von Arten in einem ansonsten sehr waldarmen, überwiegend intensiv ackerbaulich genutzten Gebiet und wird deshalb zur Wildnisentwicklung und der Entfaltung ungestörter Natur in ostseetypischer Küstenlandschaft geschützt. Das Gebiet wurde der Michael Succow-Stiftung 2011 als Nationales Naturerbe vom Bund übertragen. 

 

 

Seegras, Schilfhalme, Muschelschalen, Tang, Algen und Holzreste, dazwischen auch Glas und Plastikteile – all das hat das Wasser hier angespült und dient als Saatbett für Strandpflanzen wie Stranddistel, Meersenf und –kohl. Sie kommen mit den harschen Bedingungen hier am Strand zurecht, vertragen den Wind, die extremen täglichen Temperaturunterschiede von bis zu 50°C und das leicht salzige Wasser mit durchschnittlich 0,8% Salzgehalt. Im feuchten Spülsaum finden Fliegenlarven und andere Kleintiere Nahrung und Schutz. 

 

Der Uferbereich am Palmer Ort ist von Küstendünen gesäumt. Hier sind die unterschiedlichen Dünenbereiche mit jeweils typischen Standortbedingungen gut erkennbar: Zwischen Spülsaum und erstem Dünengürtel erstreckt sich die flache Vordüne, in deren Bereich nur salztolerante Arten, z.B. die Salzmiere, zurechtkommen. Die anschließende erste, spärlich oder gar nicht bewachse Erhebung am Strand - die Weißdüne - besteht aus Sand mit Nährstoffen des Meerwassers. Hier gedeihen Arten wie Strandhafer, Strandroggen und die extrem seltene Stranddistel mit ihren blauen, kugeligen Blütenständen. Im flachen Bereich hinter der Graudüne ist die Bodenbildung bereits weiter fortgeschritten: Auf der vorhandenen Humusschicht wachsen Arten wie die Pelzige Pestwurz. Um selten gewordene und bedrohte Arten und Lebensräume zu schützen, ist der Strandwallbereich des Palmer Orts mit seiner Dünenabfolge als Flächennaturdenkmal ausgewiesen. 

 

Der Kiefernwald am Palmer Ort wurde als Küstenschutzwald angelegt. Er soll das Land vor Überflutungen und Landverlust schützen; die anspruchslosen Kiefern gedeihen hier trotz der auf Sandboden vorherrschenden Trockenheit und Nährstoffarmut. Mittlerweile wird der Wald am Palmer Ort sich völlig selbst überlassen. Mit Ausnahme von Wegesicherung werden hier keine Bäume mehr gefällt oder gepflanzt. Laubbaum-Nachwuchs etabliert sich natürlich aus Samen, die der Wind, Tiere oder die Schwerkraft hierher verfrachten und bildet eine Strauchschicht. 

 

Die dauerhafte Einwirkung von Wind und Wellen machen den unmittelbaren Küstensaum zu einem Gebiet ständiger Veränderung: während von Bereichen, die der Strömung stärker ausgesetzt sind, Material abtransportiert wird, gewinnen andere Stellen diese verfrachteten Teilchen wieder hinzu. Es entstehen die klassischen Strand-Dünen-Abfolgen, Riffe und Sandbänke können vorgelagert sein. Dieses Phänomen der Abtragungs- und Anlandungsküste lässt sich am Palmer Ort auf kleinstem Raum gut beobachten, da benachbarte Strandabschnitte unterschiedlicher Wind- und Wellenbewegung ausgesetzt sind. 

 

Ansprechpartner:

Luise Rothe, E-mail:luise.rothe(at)succow-stiftung.de

 

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