Kaliningrad – Machbarkeitsstudie für ein Schutzgebiet im Memeldelta

Nachdem die Michael Succow Stiftung in den vergangenen Jahren sehr intensiv an der Konzeption eines Schutzgebietes im russischen Teil der Rominter Heide gearbeitet hat, ist dieses Schutzgebiet inzwischen formal eingerichtet. Als Ergebnis dieser Arbeit wurde von russischer Seite der Wunsch geäußert, auch in anderen Teilen des Landes Unterstützung bei der Vorbereitung von länderübergreifenden Schutzgebietsvorhaben durch die Stiftung zu erhalten.

Den Auftakt hierzu bildet jetzt eine von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderte Machbarkeitsstudie, mit der die Umsetzungschancen für ein grenzübergreifendes Schutzgebiet im Memeldelta geprüft werden sollen.

Die Memeldelta-Region im Grenzraum zwischen Litauen und dem Kaliningrader Gebiet, am Kurischen Haff gelegen, ist wie die Rominter Heide Zeuge der überaus wechselvollen Geschichte der vergangenen Jahrzehnte. Zu deutscher Zeit als ausgedehntes Elchrefugium (Elchniederung und Elchwald) bekannt geworden, war es lange Zeit vor allem Objekt jagdlicher Begierden. Schon damals begann die Urbarmachung von Überflutungsräumen der Memel und des Kurischen Haffs durch Deichbauten und die Anlage von Entwässerungssystemen zur landwirtschaftlichen Nutzung. Diese Systeme wurden zu sowjetischer Zeit noch ausgebaut. Auch begann nach dem Zweiten Weltkrieg in großem Maße der Abbau von Torf aus ausgedehnten Regenmooren.

 

Nach 1990 verlief die Entwicklung des Gebietes auf russischer und litauischer Seite sehr unterschiedlich. Während sich im litauischen Teil die landwirtschaftliche Flächennutzung weiterentwickelte sowie eine gewisse touristische Erschließung und Erneuerung der Ortschaften einsetzte, ist die russische Seite in großem Umfang durch Nutzungsauflassung und Landflucht gekennzeichnet. Die Kehrseite dieser Entwicklung ist, dass der Torfabbau als nicht nachhaltige Nutzungsform auf litauischer Seite voranschreitet, während er im Kaliningrader Teil nahezu zum Erliegen gekommen ist.

Ähnlich wie in der Rominter Heide unterliegt der litauische Teil des Gebietes bereits einem Schutzregime. Seit 1997 besteht hier der Nemunas Delta Regionalpark. Auf russischer Seite besteht zurzeit noch kein Schutzgebiet. Seit kurzem befinden sich jedoch zwei bedeutende Moorflächen im Unterschutzstellungsverfahren.

Ziel des Engagements der Michael Succow Stiftung im Memeldelta ist es, die russischen Behörden bei der Einrichtung eines Großschutzgebietes zu unterstützen, das den litauischen Regionalpark nach Süden ergänzt. Beide Schutzgebiete sollen später Grundlage für die Nominierung des Gesamtgebietes als länderübergreifendes Biosphärenreservat sein. Daher soll sich bei positivem Ergebnis der Machbarkeitsstudie eine zweite Projektphase zur detaillierten Schutzgebietskonzeption anschließen.

Projektpartner sind der Verein Naturerbe (Kaliningrad, Russland), das russische MAB Komitee (Moskau, Russland), die Kreisverwaltung Slawsk (Russland) und der Regionalpark “Nemunos deltos” (Šilute, Litauen).

Das Projekt wird gefördert von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU).

 

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Projektkoordination:

Stefan Schwill, email: stefan.schwill(at)succow-stiftung.de