Russland (Kaliningrader Gebiet)

Rominter Heide – Vorbereitungen zur Einrichtung eines UNESCO Biosphärenreservats

Das Weltnetz der UNESCO-Biosphärenreservate umfasst heute 686 Modellregionen (Stand 2018), darunter 45 in der Russischen Föderation. In Russlands westlichster Region, dem Kaliningrader Gebiet, ist bisher kein Biosphärenreservat ausgewiesen. Im Rahmen eines Beratungshilfeprojekts (BHP) unterstützt die Michael Succow Stiftung nun die Entwicklung des russischen Teils der Rominter Heide zum UNESCO-Biosphärenreservat.

 

Die Rominter Heide, im Südosten des Kaliningrader Gebietes gelegen, stellt einen der großen unzerschnittenen Tieflandwälder Mitteleuropas dar. Etwa zwei Drittel des ca. 40.000 ha umfassenden Waldgebietes befinden sich auf russischer Seite im Kaliningrader Gebiet, ein Drittel in Polen. Litauen hat am östlichen Ufer des Wystiter Sees kleinflächig Anteile an der Rominter Heide. Mit dem 2004 erfolgten Beitritt Polens und Litauens zur Europäischen Union verläuft eine EU-Außengrenze quer durch die naturräumlich zusammenhängende Waldlandschaft.

 

Zu den Spezifika der Rominter Heide zählen vor allem eine hohe biologische Vielfalt, eine außergewöhnliche Naturausstattung, das besondere Relief und die vergleichsweise intakte Umwelt. Darüber hinaus finden sich kulturhistorische Besonderheiten, die im engen Kontext mit der Landschaftsentwicklung stehen. Das Spektrum reicht hier von stein- und eisenzeitlichen Siedlungsspuren über die Jahrhunderte andauernde Nutzung der Rominter Heide als herrschaftliches Jagdgebiet bis hin zur besonderen geopolitischen Lage im Grenzgebiet zwischen Russland und der EU. Kernbestandteil des russischen Teils der Rominter Heide bildet heute der 2012 ausgewiesene regionale Naturpark „Wystinets“. Dieser Naturpark soll nun zu einem Biosphärenreservat weiter entwickelt werden, das die das Waldgebiet umgebenden Randbereiche mit einschließt. Vor allem diese stärker besiedelten Randbereiche bieten großes Potential für eine naturnahe Bewirtschaftung, z.B. in Form von Ökolandbau, oder nachhaltigen Tourismus.

 

Im Hinblick auf eine Antragstellung zur offiziellen Ernennung des Gebiets als UNESCO Biosphärenreservat sollen im Rahmen des Projekts folgende Ergebnisse erarbeitet werden:

 

  1. Für jede der drei Funktionen des Biosphärenreservats (Schutz, Entwicklung und Logistik) liegen partizipativ erarbeitete Zielsetzungen und Leitbilder vor.
  2. Konzepte zur Zonierung, zum Management und zur Steuerung des Biosphärenreservats sowie seiner Einbindung in das BR-Weltnetz liegen vor.
  3. Bekanntheit und Akzeptanz des geplanten Biosphärenreservats sind durch zielgerichtete Maßnahmen gesteigert.

 

Partner für die Projektumsetzung sind u.a. BTE Tourismus- und Regionalberatung sowie der russische Naturpark „Wystinets“, in enger Abstimmung mit dem Ministerium für Naturressourcen und Ökologie der Kaliningrader Gebietsregierung. Die Einreichung des Antrags auf Anerkennung durch den Internationalen Koordinationsrat (ICC) des MAB-Programms der UNESCO erfolgt von den zuständigen Behörden von russischer Seite.

 

Dem Projekt gehen verschiedene Vorarbeiten seitens der Michael Succow Stiftung in der Region voraus. Im Rahmen einer Machbarkeitsstudie (2007-2008, Förderung durch DBU) wurden Voraussetzungen und relevante Rahmenbedingungen für die Einrichtung eines Großschutzgebietes auf russischer Seite geprüft. Nach insgesamt positiver Bewertung und Einschätzung erfolgte in einer zweiten Phase (2009-2011, Förderung durch DBU) die Erstellung einer Schutzgebiets- und Entwicklungskonzeption für den russischen Teil der Rominter Heide. Diese Konzeption war Entscheidungsgrundlage für die Einrichtung des Wystiter Naturparks im Januar 2012.

 

Das zweijährige Projekt wird vom Bundesumweltministerium mit Mitteln des Beratungshilfeprogramms (BHP) für den Umweltschutz in den Staaten Mittel- und Osteuropas, des Kaukasus und Zentralasiens sowie weiteren an die Europäische Union angrenzenden Staaten gefördert und vom Bundesamt für Naturschutz und dem Umweltbundesamt begleitet.

 

 

tl_files/img/logos/BfN_Logo.jpg       tl_files/img/logos/UBA-Kooperations-Logo.jpgtl_files/img/logos/BMU_2018_Office_Farbe_de.png

 

 

Projektleitung:
Christian Welscher