Michael Succow

Visionen und Gedanken

Wir Menschen haben zu lange gegen die Natur gekämpft, benutzten sie gleich einem Steinbruch, haben uns über sie erhoben, wollten sie beherrschen. Nun, da die Schäden unüberschaubar und die Verluste unwiederbringlich sind, ergreift uns Unbehagen, auch Mitleid, vor allem aber Sorge.
Sorge um unsere eigene Zukunft. Und Zweifel. Wer ist wirklich der Stärkere, der Sieger? Wohin steuert das Projekt Mensch? Ein Projekt mit ungewissem Ausgang? Wie weit darf sich der Mensch von der Natur entfernen, ihre Tragekapazität überschreiten?


In diesem neuen Jahrtausend der Menschheitsgeschichte müssen wir unabdingbar begreifen: Wir dürfen uns nicht länger als Herrscher aufspielen, als Ausbeuter und Zerstörer handeln. Wir müssen Frieden schließen mit der Natur, die wir als Schöpfung begreifen sollten. Wir müssen mit ihr in Eintracht leben, dürfen ihre Ressourcen nicht verschwenden. Wir müssen uns endlich als Teil des ökologisch gebauten Hauses Erde empfinden.


Es ist für mich das Gebot der Stunde, der durch Menschen ausgelösten Veränderung des globalen Naturhaushaltes und der Zerstörung der Lebensfülle entgegen zu wirken! Zu oft, zu großflächig, zu gründlich haben wir weltweit ursprüngliche, unverbrauchte, lebenserfüllte Natur zu erschöpften Landschaften gemacht. Das zwingt uns, dem Erhalt der Funktionstüchtigkeit der Ökosysteme, die auch in Zukunft unsere Lebensgrundlage bilden, bei allen Formen der Naturnutzung höchste Priorität einzuräumen.


Das zwingt zu einem Wirtschaften im Einklang mit der Natur: Haushalten. Und das zwingt zum absoluten Schutz der noch nicht vom Menschen beeinträchtigten Natur: Erhalten. Das zwingt zur längst überfälligen Inwertsetzung ökologischer Leistungen.


Auf die Natur aufmerksam zu machen, sie in ihrer Großartigkeit, in ihrer Einmaligkeit, in ihrer Verletzlichkeit zu begreifen, sie stärker in unser Bewusstsein zu rücken, ist ein wichtiges Anliegen meiner Stiftung.
Der Schutz der Natur ist kein Luxus, sondern eine der bedeutendsten Sozialleistungen für den Fortbestand der menschlichen Gesellschaft. Gewähren wir der Natur Raum, geben wir ihr Zeit. Üben wir uns im Erhalten und Haushalten - um unserer eigenen Zukunft willen.