Karrendorfer Wiesen

Salzgrasland in natürlicher Überflutungsdynamik

 

 

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Die Karrendorfer Wiesen sind ein ca. 360 ha großes Salzgraslandgebiet vor den Toren der Hansestadt Greifswald und ein bedeutender Teil des Naturschutzgebietes „Insel Koos, Kooser See und Wampener Riff“. Die Wiesen wurden Anfang 2016 als „Nationales Naturerbe“ aus dem Eigentum des Bundes an die Michael Succow Stiftung übertragen. Damit übernimmt die Stiftung die Verantwortung für den langfristigen Erhalt dieses Überflutungs-Salzgraslandes, das durch historische Landnutzung entstanden ist.

 

Ursprünglich nahmen derartige Küstenüberflutungsmoore über 21.000 ha entlang der Boddenküste Mecklenburg-Vorpommerns ein. Bis auf wenige Restflächen gingen diese wertvollen Naturräume durch Nutzungsintensivierung im 19. und 20. Jahrhundert verloren. Die Karrendorfer Wiesen sind heute ein Paradebeispiel für eine erfolgreiche Wiederherstellung der natürlichen Überflutungsdynamik, einen angepassten Küstenschutz und eine nachhaltige Nutzung empfindlicher Küstenüberflutungsräume.

 

Im Gebiet waren schon seit dem 15. Jh. vereinzelte Entwässerungsgräben angelegt worden. Die Fläche wurde seit 1820 entwässert, aber immer noch regelmäßig überflutet. Durch den entwässerungsbedingten Moorschwund nahmen Überflutungsereignisse jedoch zu. Zwischen 1850 und 1872/1874 und erneut von 1910 bis 1993 waren die Karrendorfer Wiesen vollständig eingedeicht.

Mit der Komplexmelioration in den 1970er Jahren, im Zuge derer auch eine Erhöhung der Deiche und eine Vertiefung der Gräben erfolgte, wurde das Gebiet hydrologisch vollständig regulierbar. Die letzte Generalinstandsetzung der Gräben erfolgte 1988/89. In dieser Zeit wurde die Fläche mind. zweimal vollständig umgebrochen mit intensivem Getreide-, Feldfutter- und Saatgrasanbau unter Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln.

Im Rahmen eines Renaturierungsprojektes wurden 1993/94 die Deiche rückgebaut, der größte Teil der Gräben (8.500 m) verfüllt und ein System aus max. 30 cm tiefen Prielen (3.000 m) wieder hergestellt. Damit unterliegt das Gebiet wieder direkt dem Einfluss der Wasserstandsschwankungen des Greifswalder Boddens, und insbesondere bei anhaltendem Nord- und Ostwind kommt es zu großflächigen Überflutungen. Seit 1995 werden die Karrendorfer Wiesen wieder als extensive Rinder-Standweide genutzt.

Im Eigentum der Michael Succow Stiftung werden die Karrendorfer Wiesen auch zukünftig  auf einem Großteil der Fläche als Salzwiesen erhalten. Eine extensive Grünlandnutzung durch Beweidung mit geeigneten Tierrassen wird weitergeführt und weiterentwickelt. Auf der Naturerbefläche können sich auf ca. 75 ha Röhrichte und Hochstaudenfluren unterschiedlicher Ausprägung sowie offene Wasserflächen in je nach Überflutungsdynamik unterschiedlichen Ausprägungen entwickeln, die nicht genutzt werden. Die Karrendorfer Wiesen werden so als Standort für seltene und gefährdete Pflanzenarten des Salzgraslandes, aber auch als bedeutender Lebensraum für Limikolen und andere Küstenvögel erhalten.

Den Erhalt der Karrendorfer Wiesen durch die Michael Succow Stiftung fördert die Kurt Lange Stiftung und die Stiftung Feuchtgebiete.

 

 

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Projektkoordination:

Thomas Beil, email: thomas.beil(at)succow-stiftung.de