Wetland Energy - Nachhaltige Nutzung nasser Moore in Weißrussland

Umsetzung neuer Managementkonzepte auf nassen Mooren zur nachhaltigen Produktion von Biomasse für die energetische Verwertung

 

Insbesondere auf wiedervernässten, degradierten Moorstandorten bietet die Paludikultur ("palus" - lat. "Sumpf, Morast"), die nasse Bewirtschaftung von Mooren, eine Möglichkeit für die nachhaltige Nutzung dieser Standorte. Sie schließt traditionelle Verfahren der Moorbewirtschaftung (Rohrmahd, Streunutzung) ein, umfasst aber auch neue Verfahren wie die energetische Verwertung von Moor-Biomasse oder die Produktion von Dämmplatten und -putzen. Der Torferhalt bleibt dabei oberstes Ziel. Auch eine erneute Torfbildung ist bei Paludikultur möglich, wie z.B. bei Schilfnutzung, bei der die oberirdische Biomasse abgeschöpft wird während die unterirdische Biomasse neuen Torf akkumulieren kann.

 

Aufbauend auf den Erfahrungen der Michael Succow Stiftung mit der Wiedervernässung von Mooren soll im Rahmen eines Demonstrationsvorhabens ein Pilotstandort für eine Bewirtschaftung nasser Moore zur Biomasseproduktion in Weißrussland aufgebaut werden. Damit können zusätzliche Vorteile für Klima und Biodiversität erreicht werden. In Kooperation mit lokalen Akteuren (Zakaznik, Torffabrik, Kolchose, lokale Energieversorger) soll die derzeitig weder sozial, wirtschaftlich noch ökologisch nachhaltige Bewirtschaftung von Mooren und von Torf in ein nachhaltiges Landnutzungssystem überführt werden, mit dem fossile Energieträger ersetzt und neue Erwerbsmöglichkeiten im ländlichen Raum erschlossen werden können. Daneben ist die Wiederaufnahme der Bewirtschaftung von aufgelassenen nassen Wiesen und damit die Förderung des Erhalts von Bruthabitaten des Seggenrohrsängers und von Jagdrevieren des Schelladlers Ziel des Projektes.

 

Am praktischen Beispiel sollen Perspektiven für die Bewirtschaftung nasser Moore, die früher sporadisch zur Streu- und Heuwerbung genutzt wurden, entwickelt werden. Nach Aufgabe dieser traditionellen und nachaltigen Bewirtschaftungsform sind diese Flächen aktuell davon bedroht zu verbuschen oder zu bewalden. Dadurch würden sie langfristig als Biotop für viele seltene Offenlandarten (z.B. Seggenrohrsänger) verlorengehen. Die Biomasse soll in noch zu bestimmenden Zeitabständen geerntet und zu Energie-Briketts verarbeitet werden. Für die Aktivitäten auf der Fläche soll eine Spezialerntemaschine angeschafft und eine weitere auf Basis weißrussischer Technik entwickelt werden. Außerdem ist der Aufbau einer Verarbeitungskette für Biomasse vorgesehen.

 

Zudem ist mit dem Projekt beabsichtigt, abgetorfte Moore nach Wiedervernässung in ein Nutzungsregime zu überführen. Dies soll langfristig ermöglichen, den bisher zur Produktion von Energie-Briketts verwendeten Torf durch Biomasse aus diesen nassen Flächen zu ersetzen. Die Torffabrik Lida in West-Weißrussland ist daran interessiert, schrittweise Torf durch Biomasse zu ersetzen. Daher kooperiert sie mit dem Projekt und stellt einen Teil ihrer Anlagen und Flächen zur Verfügung. Mit dem Projekt soll ein Beispiel für weitere Torfbrikett-Fabriken Weißrusslands gegeben werden, wie diese sich aus der Ressourcen verbrauchenden Wirtschaft mit Torf auf die nachhaltige Produktion von Biomasse-Briketts umorientieren können.

 

Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit der "International Sacharov Environmental University" (ISEU) und dem "Institute for Nature Management" (IfNM) der Akademie der Wissenschaften, Weißrussland, durchgeführt. Weitere Institute der Akademie der Wissenschaften sowie die Universität Greifswald und das Zentrum für Agrarlandschaftsforschung in Müncheberg werden mit einbezogen. Die Finanzierung erfolgt durch die EU-Kommission im Rahmen des thematischen Programms EuropeAid für "Umweltschutz und nachhaltige Bewirtschaftung natürlicher Ressourcen einschließlich Energie".

 

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Projektkoordination:

Wendelin Wichtmann, email: wendelin.wichtmann(at)succow-stiftung.de