Central Asian Desert Initiative (CADI)
Schutz und nachhaltige Nutzung winterkalter Wüsten
Hintergrund des Projekts
Die winterkalten Wüsten Zentralasiens gehören zu den prioritären Ökoregionen des WWF Global 200, den globalen „Hotspots“ mit dem höchsten Bedarf an gemeinsamen Schutzbemühungen. Olson und Dinerstein (2002) bewerten die zentralasiatischen Wüstenökosysteme als „kritisch oder gefährdet (CE)“[1]. Die weiträumigen Naturräume sind bedeutende Migrationsgebiete für Vögel sowie die letzten wildlebenden Huftierherden, darunter der Saiga-Antilopen. Die riesigen Landmassen erbringen zahlreiche Ökosystemleistungen. Dazu zählen z. B. die wichtigsten Weidegründe in den ariden und semiariden Trockengebieten der Region, die Fixierung von Sedimenten und damit Verminderung von Desertifikationsprozessen oder die Bindung von Kohlenstoff aus der Atmosphäre.
Trotz ihrer großen Bedeutung gehören die winterkalten Wüsten zu den weltweit am wenigsten wahrgenommenen Biomen. Es ist das einzige Biom, in dem die UNESCO bisher keine Weltnaturerbestätte eingetragen hat. Ebenso sind Gebiete mit Naturschutzstatus in den winterkalten Wüsten deutlich unterrepräsentiert und unzureichend verwaltet.
Die winterkalten Wüsten sind aktuell durch massive Degradationsprozesse bedroht, verursacht durch Übernutzung natürlicher Ressourcen, nicht angepasste Weidepraktiken und Infrastrukturmaßnahmen. Daraus resultiert ein enormer, teilweise irreversibler Verlust an Habitaten und Arten. Die Degradationsprozesse bedrohen bereits heute die Lebensgrundlagen von Millionen Menschen in der Region.
[1] Olson, D. M. and Dinerstein, E. (2002). The Global 200: Priority ecoregions for global conservation. Annals of the Missouri Botanical Garden 89, 199-224.
Central Asian Desert Initiative (CADI)
Schutz und angepasste Nutzung winterkalter Wüsten in Zentralasien
Ort: Kasachstan, Turkmenistan, Usbekistan
Laufzeit: 07.2016 - 07.2022
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Ziel und Ergebnisse des Projekts
Vor diesem Hintergrund war übergeordnetes Ziel der Central Asian Desert Initiative (CADI) der Schutz und die nachhaltige Nutzung der winterkalten Wüsten Zentralasiens. Hauptzielländer waren Kasachstan, Turkmenistan und Usbekistan.
Das übergeordnete Ziel wurde durch folgende Ergebnisse erreicht:
- Wissen zu Biodiversität, Ökosystemleistungen, Erhaltungszustand und Landnutzung der winterkalten Wüsten erschlossen und verbreitet;
- Multi-stakeholder-basiertes nachhaltiges Landmanagement für das Wüstenbiom exemplarisch eingeführt;
- Management bestehender Schutzgebiete verbessert sowie neue Schutzgebiete im Wüstenbiom ausgewiesen;
- Winterkalte Wüsten von Turan als UNESCO Weltnaturerbestätte nominiert;
- Regionale Zusammenarbeit zum Schutz und der nachhaltigen Nutzung der winterkalten Wüsten gestärkt.
Das CADI Projekt hat die Hauptzielländer unterstützt, ihre Verpflichtungen unter den entsprechenden internationalen Umweltkonventionen (UNCBD, UNCCD, UNFCCC sowie der CMS) wahrzunehmen. Dabei hat es vor allem zur Erreichung der Aichi-Kernziele 11, 15 und 19 beigetragen.
Die geplante Gründung einer NGO “Regional Central Asian Desert Initiative Secretariat” in Usbekistan soll die Arbeit der CADI dauerhaft fortsetzen und sichern.
Wissenschaftliche Publikationen:
Manthey, M., Welscher, Ch., Wunderlich, J., Murzakhanov, R., Sklyarenko, S., Gritsina, M., Karryeva, S., Pavlenko, A., Nishanov, N.: Cold Winter Deserts of Central Asia (Turan), Science Direct "Reference Collection in Earth Systems and Environmental Sciences"
Pavlenko, A. (2019): Ferula karakumica (Apiaceae), a new species from Turkmenistan
Projektergebnisse:
Poster/ Kalender zur Waranechse: usbekisch | russisch
CADI Infoflyer #Deutsch #Englisch #Russisch #Turkmenisch
Infoplakate zur Biodiversität in Ustjurt und der Aralregion
Online-Clips des Youtube Kanals „Vse Kak U Zverei“ zu winterkalten Wüsten:
#1 Die acht schrecklichsten Tiere der Wüste
#2 Lifehacks, die einem das Leben retten
#3 Warum finden wir einige Tiere so süß?
Online-Artikel im Journal „Golden Age“ zum UNESCO Welterbenominierungsprozess im Rahmen von CADI in Turkmenistan
Ergebnisbericht zu den CADI-Biodiversitätsexpedition nach Süd-Ustjurt (Kasachstan) 2017-2019
Das Vorhaben wurde von der Succow Stiftung, der Universität Greifswald und der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) – Subregionalbüro für Zentralasien zusammen mit einem breiten Partnerkonsortium in den Zielländern durchgeführt.
Das CADI Projekt war Teil der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI). Die IKI wird seit dem Jahr 2022 vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) in enger Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) und dem Auswärtigen Amt (AA) umgesetzt.
Jens Wunderlich
Expertise: Welterbe, Biosphärenreservate, Kartographie
Tel +49 3834 45284 24